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Produkttest

Dieses stabilisierte Ferngläschen ist kleiner als eine Kreditkarte

Der Stabi One erfüllt drei Wünsche auf einmal: Er ist klein, leicht und bildstabilisiert. Bei zehnfacher Vergrösserung macht das Mini-Monokular von Kite Optics aus der Hand und am Smartphone Spass – wenn alles zusammenpasst.

Auf dem Papier packt mich der Stabi One sofort. Ein zehnfach vergrösserndes Immer-dabei-Fernguckdings, das auch noch Wackler ausbügelt und magnetisch an die Smartphone-Kamera andocken kann? Was für ein Gadget. Her damit!

Zumindest als Testgerät, das mich in einer schicken mattschwarzen Verpackung mit der eingeprägten Silhouette eines Rotmilans erreicht. Der heisst auf Englisch Red Kite, damit wäre die Herkunft des Markennamens der belgischen Firma geklärt. Sie stellt seit 1992 optische Instrumente her.

Doch zurück zur Verpackung: Diese enthält dicken Schaumstoff, denn so ein «stabilized pocket scope» will gut geschützt sein. Mit Daumen und Zeigefinger befreie ich es aus seinem weichen Bett, unter dem sich noch ein Trageriemen als Zubehör versteckt.

Der Stabi One kommt gut verpackt und mit magnetisch anzubringendem Smartphone-Adapter.
Der Stabi One kommt gut verpackt und mit magnetisch anzubringendem Smartphone-Adapter.

So klein und leicht wie versprochen?

«Es ist kleiner als deine Brieftasche und leichter als dein Smartphone», schreibt Kite Optics über seine «Weltneuheit», das vollständig stabilisierte 10×20-Beobachtungsinstrument Stabi One. Meine «Brieftasche» hat Kreditkartengrösse. Dahinter verschwindet das Gadget mit seinen gut fünf Zentimetern Höhe und sieben Zentimetern in der Breite. Darüber, dass es vier Zentimeter dick ist, breiten wir den Mantel des Schweigens. Stell dir einfach einen Stapel von 50 Kreditkarten vor.

Dass der Stabi One kleiner als mein Portemonnaie ist, stimmt nur in zwei Dimensionen.
Dass der Stabi One kleiner als mein Portemonnaie ist, stimmt nur in zwei Dimensionen.

Aufgrund des würfeligen Formfaktors ist der Stabi One eher jacken- als hosentaschentauglich. Und Kite Optics hat Glück, dass ich kein iPhone 13 mini besitze: Mit eingesetzter AAA-Batterie wiegt der Stabi One 143 Gramm und ist somit zwei Gramm schwerer als dieses Smartphone. Sei's drum. Dass er klein und leicht ist, stimmt auf jeden Fall, und eine Batterielaufzeit von bis zu zwölf Stunden klingt gut.

Der filigrane Outdoor-Begleiter ist so winzig, dass ich jedes Mal Verlustangst habe, wenn ich den zu einem Gummiring kombinierten Objektiv- und Okularschutz abstreife. Ich könnte ihn verlieren. Oder schlimmer: gleich das ganze Gerät fallen lassen. Griffig gummiert ist es nur ganz vorne, wo hinter einer leicht abzustreifenden Abdeckung die Batterie steckt. Und natürlich an der Augenmuschel, die sich stufenlos rausdrehen lässt.

Das Batteriefach hinter der Gummiabdeckung: Wasserdicht ist der Stabi One nicht.
Das Batteriefach hinter der Gummiabdeckung: Wasserdicht ist der Stabi One nicht.

Es lohnt sich, den schicken, einem Kletterseil ähnelnden Nackengurt anzubringen. Damit baumelt der Stabi One sicher um meinen Hals und ich kann ihn über den Schnellverschluss jederzeit abclippen. Das Gerät mitzunehmen, ist kein Problem. Damit es seinen Platz am Hals oder in der Tasche wert ist, muss es technisch überzeugen. Beim Einsatz am Auge und beim «Digiscoping» mit dem Smartphone.

Die Stabilisierung ist richtig gut

Zunächst nutze ich den Stabi One direkt am Auge – wie ein Fernglas, Fernrohr oder Monokular, was sowohl der sperrigste als auch treffendste Begriff für das kleine Gerät ist. Schiebe ich den Schalter an der Oberseite auf On, passiert in dem winzigen Gehäuse etwas. Damit löse ich die physische Verriegelung des eingebauten Gimbalsystems. Bei eingesetzter Batterie beginnt es, das Bildzittern auszugleichen.

Ich liebe den Effekt. Die Welt beendet ihren Wackelmodus, ich kann mich aufs Beobachten konzentrieren. Schwankungen von bis zu zwei Grad bügelt es weg, darüber hinaus werden die Bewegungen sanft. Klingt nicht nach viel? Ist es aber! Schau dir den Vergleich am besten selbst an. Das Video hat keinen Ton und dauert nicht mal zehn Sekunden. Links: stabilisiert. Rechts: nicht stabilisiert.

Natürlich kann ich den Stabi One auch unstabilisiert benutzen. Wenn er nicht gerade an einem Smartphone hängt, lässt er sich ruhiger halten. Doch mit dem Strom ist auch der Zauber weg. Eine rote LED signalisiert, wenn die Stabilisierung aktiviert ist. Blinkt sie, sollte ich die Batterie tauschen. Damit ich nicht versehentlich Energie verschwende, schaltet sich der Stabi One nach exakt 20 Minuten automatisch ab. Was er mir nicht abnimmt: den Schalter auf Off zu stellen – erst dann ist der Gimbal wieder verriegelt und wackelt nicht mehr im Gehäuse umher.

Kompromisse bei der Optik

Zur Bildqualität in Verbindung mit dem Smartphone komme ich später. Zunächst geht es mir darum, was der Stabi One für sich genommen als Beobachtungsgerät kann.

Bei 20 Millimetern Objektivdurchmesser und einer Austrittspupille von 2 Millimetern ist klar, dass ich kein Nachtsichtgerät in der Hand halte. Für Dämmerung und Dunkelheit ist diese Mini-Optik nicht gemacht.

Die Naheinstellgrenze liegt bei 3,5 Metern, und es genügt eine knappe halbe Umdrehung am angemessen schwergängigen Fokusring, um ins Unendliche zu wechseln. Da am Stabi One alles etwas kleiner ist, hat dieser zwei deutlich hervorstehende Rippen, die den Fingern Halt und Orientierung bieten. Er lässt sich gut bedienen.

Power-Schalter und Fokusring: Trotz des Mini-Formats ist die Handhabung angenehm.
Power-Schalter und Fokusring: Trotz des Mini-Formats ist die Handhabung angenehm.

Das reale Sehfeld beträgt 5,15°, ich überblicke damit einen Ausschnitt von 90 Metern in 1000 Metern Entfernung. Das scheinbare Sehfeld ist mit 25,5° eng, die Tendenz geht zum Tunnelblick. Als Brillenträger setze ich meine Sehhilfe jedes Mal ab, denn der Austrittspupillenabstand von 11 Millimetern lässt sonst nur noch einen Schlüssellochblick zu. Das mag sich negativ anhören, ist aber gar nicht so gemeint. Hey, wir reden von einem Gerät in Kreditkartengrösse! Das geht nicht ohne Kompromisse.

Ausserdem hat es seinen Zauberschalter. Ist das Bild stabilisiert, tauche ich trotzdem in die Landschaft ein und habe mein Beobachtungsobjekt gut im Blick. Was diese Funktion angeht, muss sich der Stabi One kaum hinter dem Nikon 12×25 s verstecken. Dieses kompakte, stabilisierte Fernglas ist preislich gar nicht so weit vom Stabi One entfernt und übertrifft ihn optisch um eine Klasse.

Beim Stabi One wirken die Farben etwas flacher, das Sehfeld eingeschränkter und die Randschärfe geringer. Kein Wunder bei so einem Winzling. Trotzdem macht er Spass, und es ist erstaunlich, was Kite Optics aus so einem kleinen Würfel herauskitzelt. Das Monokular ist eine Produktkategorie für sich – und kann etwas, das ein echtes Kaufargument sein könnte: die Brennweite deiner Smartphone-Kamera verzehnfachen und gleichzeitig ein Stativ überflüssig machen.

Der Stabi One am Smartphone: nur unter bestimmten Voraussetzungen eine gute Kombination.
Der Stabi One am Smartphone: nur unter bestimmten Voraussetzungen eine gute Kombination.

Ein Smartphone-Adapter für alle? Schwierig!

Beim Digiscoping dockst du dein Smartphone an ein Fernglas oder Teleskop, um Aufnahmen durch eine externe Optik zu machen. Der Stabi One kommt mit einer Konstruktion, die für möglichst viele Smartphone-Modelle funktionieren soll. Es handelt sich um einen Winkel, an dem ich oben das Gerät mit einem Klettverschlussgurt befestige. Unten dockt er mit einer Kombination aus Magnetplatte und per Schraube fixierbarer Schiene an der Rückseite des Telefons an.

«Die selbstklebende Metallplakette haftet nicht gut auf Silikonhüllen, Soft-Touch-Beschichtungen oder Keramikrückseiten», muss ich in der Anleitung lesen. Das schliesst schon mal ziemlich viele Geräte aus. Was dann? «Verwenden Sie in diesem Fall einen Sekundenkleber», heisst es allen Ernstes dazu. Äh, nein?

Der Magnet muss ungefähr vier Zentimeter unter der Kamera halten, damit ich den Adapter andocken kann.
Der Magnet muss ungefähr vier Zentimeter unter der Kamera halten, damit ich den Adapter andocken kann.

Der Verpackung liegen drei Magnetplatten bei, und ich versuche, eine davon ohne Sekundenkleber dauerhaft zu befestigen. An meinem iPhone, an einem Pixel, an einem Fairphone und schliesslich an meinem Nothing Phone, mit dessen Kunststoffrückseite ich am besten klarkomme. Auch an der Glasrückseite meines alten iPhone X hält die Konstruktion, nachdem ich die Fläche vor dem Kleben gut gereinigt habe.

Doch egal, an welchem Gerät ich mir zu schaffen mache, das Justieren bleibt schwierig. Auch wenn der Magnet perfekt an der Rückseite des Smartphones hält und der angedockte Winkel fest verschraubt ist, hat die Verbindung immer noch ein wenig Spiel – und das Okular hat vier bis fünf Millimeter Abstand zur Rückseite des Smartphones. Dieser lässt sich nicht anpassen. Der Stabi One sitzt in einer Vertiefung auf der Schiene, ich kann ihn nicht nach vorne oder hinten bewegen.

Lästige Lücke: Ohne «Kamerabuckel» kämpfe ich mit seitlichem Lichteinfall.
Lästige Lücke: Ohne «Kamerabuckel» kämpfe ich mit seitlichem Lichteinfall.

Auch wenn ich die Augenmuschel ganz herausdrehe, bleibt bei meinen Testgeräten immer ein Spalt, durch den mal mehr, mal weniger Licht fällt. Das mindert die Bildqualität; brauchbare Schnappschüsse gelingen mir nur im Schatten oder wenn ich die Linse mit der Hand vor störenden Strahlen schütze.

Einfallendes Licht trübt die Bildqualität deutlich, zudem kommt es zu Verzerrungen.
Einfallendes Licht trübt die Bildqualität deutlich, zudem kommt es zu Verzerrungen.

Ich mache die Gegenprobe und halte den Adapter an das iPhone 17 Pro eines Kollegen. Das Gerät hat nicht nur eine massiv bessere Bildqualität, sondern auch einen «Kamerabuckel» von 4,43 Millimeter Dicke. Da dieser die Distanz überbrückt und seitlichen Lichteinfall verhindert, passt die Konstruktion daran viel besser. Dass sie für alle Smartphones universell taugt, kann ich nicht sagen. Und wenn du den Magnet nicht auf ein ungeschütztes Smartphone, sondern auf eine Hülle kleben willst, sieht es mit dem Abstand schon wieder anders aus.

Bildqualität zwischen gut und geht gar nicht

Für mich bedeutet das: Beim Ausrichten muss ich vorsichtig und geduldig sein. Einfach andocken und loslegen gelingt mir nicht, ich muss immer wieder nachjustieren. Das kostet Zeit und manchmal Nerven. Aus diesem Grund gibt es hier kein Bild von einem Graureiher, sondern nur Landschaft zu sehen. Das Tier hat vor mir die Geduld verloren. Trotzdem beeindruckend, wie weit ich mit dem Stabi One komme.

Links der Blick durch den Stabi One, bildfüllend durch zweifachen digitalen Zoom. Rechts die Aufnahme ohne das Gadget.
Links der Blick durch den Stabi One, bildfüllend durch zweifachen digitalen Zoom. Rechts die Aufnahme ohne das Gadget.

Regelmässig merke ich, was mit dem Stabi One alles möglich wäre. Mit einem Top-Smartphone – und vor allem mit einem besseren Adapter. Denn das Smartphone alleine löst nicht alle Probleme. Da das Gerät zum Zeitpunkt meines Tests im Mai noch nicht lieferbar ist, gebe ich es für ein paar Tage an meinen fernglasbegeisterten Kollegen mit dem iPhone 17 Pro. Er legt den Adapter bald beiseite und verlegt sich auf Experimente.

Ob das besser als der Adapter ist? Versuch mit dem Stabi One am iPhone 17 Pro.
Ob das besser als der Adapter ist? Versuch mit dem Stabi One am iPhone 17 Pro.

«Ich stimme dir völlig zu, es braucht einen besseren Adapter, ich hatte auch zu viel seitlichen Lichteinfall», schreibt er mir nach seinen Versuchen. Ein dicker Kamerabuckel allein ist also auch keine optimale Lösung.

Aufnahme durch das iPhone 17 Pro mit semiprofessionellem Adapter.
Aufnahme durch das iPhone 17 Pro mit semiprofessionellem Adapter.

Nach all den wackeligen Erfahrungen schaue ich neidisch auf den Typ im folgenden Video, der den Stabi One mit dem Snapshot-System von Ollin nutzt. Damit sitzt das Gerät sekundenschnell perfekt vor der Kamera, ohne störenden Lichteinfall.

Ich glaube, es lohnt sich, in entsprechendes Zubehör speziell für dein Smartphone-Modell zu investieren, um langfristig Freude an dem kleinen Zauberwürfel zu haben. Schliesslich ist er mit etwa 400 Franken oder Euro zu teuer, um Kompromisse zu machen.

Manuell macht mehr Spass

Beim Fotografieren und Filmen solltest du damit rechnen, die Kamera besser im manuellen Modus zu bedienen – im Zweifel über eine andere Foto-App, die dir alle Freiheiten lässt. Falls dein Smartphone basierend auf Zoomstufe, Lichtverhältnissen und Entfernung zum Motiv automatisch das passende Objektiv wählt, springt die Kamera sonst eventuell vom Stabi One weg.

Grundsätzlich ist er sehr einfach zu bedienen. Und trotzdem ein Spielzeug für Leute, die sich etwas intensiver damit befassen wollen. Mit Geduld, der passenden Ausrüstung und den richtigen Einstellungen lässt sich einiges rausholen. Belohnt wirst du mit beeindruckend stabilen Tele-Aufnahmen. Ob du das brauchst oder im Zweifel lieber zur grossen Kamera greifst, musst du wissen. In meinen Augen ist der Stabi One tatsächlich ein tolles Gadget – nicht nur auf dem Papier.

Fazit

Tolle Stabilisation, gute Optik, mühsamer Smartphone-Adapter

Der Stabi One von Kite Optics ist ein Zauberwürfel. Kleiner als eine Kreditkarte, bietet er zehnfache Vergrösserung in ordentlicher Schärfe und eine überzeugende Bildstabilisation. Das Ganze funktioniert als Monokular wie ein Fernglas und auch in Verbindung mit einer Smartphone-Kamera.

Allerdings ist der mitgelieferte Adapter je nach Smartphone-Modell mehr oder weniger gut geeignet. Er wird über einen Magneten angedockt, den du auf dein Smartphone oder dessen Hülle kleben musst. Die Konstruktion hält nicht in allen Fällen perfekt. Auf einigen Oberflächen sollst du Sekundenkleber benutzen, und bei vielen Smartphones ist der Abstand zur Kameralinse so gross, dass Streulicht zum Problem wird. Dafür gibt's einen Stern Abzug.

Pro

  • tolle Bildstabilisation
  • winzig, zehnfache Vergrösserung
  • Batterielaufzeit von 12 Stunden
  • macht das Smartphone zum Supertele

Contra

  • Adapter suboptimal
Kite Optics STABI ONE 10x21 (10x, 21 mm)
Fernglas
EUR579,–

Kite Optics STABI ONE 10x21

10x, 21 mm

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Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.


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