

Ich liebe dieses Zelt: fünf Camping-Jahre mit der Aero Yurt von Robens
Sie ist schwer zu tragen, einfach aufzustellen und leicht zu lieben: Die Aero Yurt von Robens ist mehr als ein Zelt. Sie begleitet mich seit gut fünf Jahren und ich mag nach wie vor fast alles an ihr.
Camping ist tot. Es lebe Camping! Kaum jemand quetscht sich noch in wackelige Stangenzelte, zieht einen Abwassergraben und schleicht mit der WC-Rolle unter dem Arm in einen windschiefen Holzverschlag. Dafür stehen Wohnmobile dicht an dicht, Dachzelte recken sich in den Fünf-Sterne-Himmel, und auch wer am Boden bleibt, will bestmöglichen Komfort: Glamping eben.
Ich habe für die Familienferien von einem VW-Bus geträumt, mit einem Dachzelt geliebäugelt und schliesslich, im Covid-Frühjahr 2021, die Aero Yurt von Robens gekauft. Weil die Gelegenheit günstig war (Ausstellungsstück) und mich dieses aufpumpbare Acht-Personen-Zelt von Anfang an fasziniert hat.

Die Jurte ist anders: Mit ihrer 2,70 Meter hohen Kuppel ragt sie überall heraus, und trotzdem stelle ich sie in wenigen Minuten alleine auf. Selbst am Rand ist das Zelt noch 1,85 Meter hoch, weshalb ich den Platz wunderbar nutzen kann. Es wirkt natürlich und unaufdringlich, ist aber nicht unauffällig: Fast immer kommen neugierige Nachbarn vorbei, um einen Blick hineinzuwerfen. Dann geht ihr Blick zuverlässig nach oben.

Schleppen ist schwer, aufbauen leicht
Schon der Aufbau ist ein Ereignis. Die Aero Yurt steckt in einem runden Sack, der mit seinen 46 Zentimetern Durchmesser und einem guten Meter Länge auch zum Sackhüpfen taugt. Das Packmass fällt gewaltig aus. Als ich das Teil das erste Mal schultern wollte, wäre ich fast wie eine Schildkröte auf dem Rücken gelandet. Knapp 30 Kilogramm sind eine Ansage, und die ungepolsterten Gurte machen das Tragen zu einem einschneidenden Erlebnis.

Für längere Strecken muss schon eine Sackkarre her. Doch in der Regel zerre ich sie nur ein paar Meter aus dem Kofferraum, der bei den meisten Fahrzeugen mit der Aero Yurt schon gut gefüllt ist. Der ganze Stoff muss halt irgendwo hin. Aufgepumpt entfaltet sie sich zu einem 16,5 Quadratmeter grossen Zeltpalast. Und wenn die Riesenwurst im Sack erst mal an Ort und Stelle ist, geht der Rest fix. Auspacken, ausbreiten, die Bodenplane mit ein paar Heringen fixieren. Dann geht's ans Pumpen, denn die acht tragenden und miteinander verbundenen Säulen der Aero Yurt werden wie ein SUP befüllt.

Dabei habe ich anfangs einen Fehler gemacht: Das Zelt hat vier Ventile. Zum Aufstellen brauche ich nur ein einziges, aber beim Zusammenpacken ist es sinnvoll, alle zu öffnen. Entsprechend muss ich drei wieder schliessen, bevor ich loslege. Dann geht's auch vorwärts und dauert vielleicht drei, vier oder fünf Minuten. Je nachdem, ob ich es sportlich angehe oder gemütlich nehme. Die Aero Yurt wird mit einer Handpumpe geliefert und diese genügt vollkommen. Mit einer elektrischen könnte es noch zügiger gehen, doch auch so beginnen sich die acht Säulen schnell aufzurichten.

Erst sind sie noch ineinander verdreht, so sieht das Zelt aus wie ein Gugelhupf – während der Aussenteil schon steht, hängt es in der Mitte noch durch. Dann gehe ich hinein und stosse es am Knotenpunkt nach oben. Danach brauche ich nicht mehr viel Kraft an der Pumpe: Bei 0,5 bar steht die Aero Yurt stabil. Ein SUP aufzupumpen ist deutlich anstrengender. Fehlen nur noch ein paar Heringe an den Abspannleinen und Lufteinlässen, schon kann ich einziehen.


Material und Raumgefühl
Wer die Jurte das erste Mal betritt, schaut automatisch hoch zur Kuppel. So viel Luft über dem Kopf ist man sich beim Camping einfach nicht gewöhnt, und die Struktur mit den zusammenlaufenden Säulen sieht interessant aus. Durch den Stoff fällt viel Licht, alles wirkt natürlich, und auf der grauen Bodenplane aus robustem Polyester, die sich an den Rändern leicht nach oben zieht, wartet keine Stolperfalle.
Die Tür öffnet unten entweder komplett oder bis ungefähr 20 Zentimeter über dem Boden, wenn ich den entsprechenden Reissverschluss zuziehe. In jedem Fall ist sie gut 1,70 Meter hoch und hat in der Mitte ein grosszügiges Panoramafenster. Links und rechts davon je ein weiteres. Egal, ob ich die Fenster öffne oder schliesse – die Atmosphäre stimmt.

Das Material des Stoffs verleiht dem Zelt seine natürliche Note: Es heisst HydroTex Polycotton RS und verbindet als Ripstop-Baumwollmischgewebe das Beste aus zwei Welten. 35 Prozent Baumwolle sorgen bei Hitze für ein angenehmes Klima ohne Kondenswasser. Bei Regen quellen die Fasern auf und schliessen die Poren des Gewebes, sodass kein Wasser durchkommt. 65 Prozent Polyester sind dafür verantwortlich, dass das Zelt schnell trocknet, seine Form behält, reissfest und UV-beständig ist.

Im Bild siehst du, dass in das ansonsten dünne Grundgewebe im Abstand von einigen Millimetern ein deutlich dickeres, verstärktes Garn eingewebt ist. Sollte das Zelt durch einen spitzen Ast oder ein anderes Missgeschick doch einmal beschädigt werden und ein kleiner Riss entstehen, läuft dieser nicht einfach ungehindert weiter und die defekte Stelle lässt sich gut reparieren. Ich kann das Material empfehlen. Es bleibt atmungsaktiv und kommt auch in kleineren Zelten zum Einsatz.

Natürlich wird es drinnen auch mal warm, aber das Raumklima ist kein Vergleich zu jenem in stickigen Polyesterkuppeln. Robust ist das Hauptmaterial noch dazu, flicken musste ich es noch nicht. Nur den Insektenschutz an einer der drei Belüftungsöffnungen knapp über dem Boden, dessen Netze durch spitze Gegenstände viel schneller Schaden nehmen.

Stabil im Wind
Fast drei Meter hoch, kein Gestänge und nahezu senkrechte Aussenwände – bevor ich die ersten Sturmböen in der Aero Yurt erlebt habe, war Wind meine grösste Sorge. Wird das Luftgebälk wackeln und wanken, wird es dann richtig ungemütlich im Zelt? Von wegen. Zwar peitscht und prasselt der Regen heftig gegen das Kuppeldach, aber die Jurte steht wie eine Eins. Perfekt abgespannt soll sie sogar Böen bis zu 95 Stundenkilometer aushalten.
Durch die achteckige Grundstruktur bietet das Zelt dem Wind von keiner Seite eine grosse Angriffsfläche, und die Luftröhren federn jeden Stoss ab: Wie ein Stehaufmännchen kehrt es in seine Ausgangsposition zurück. Ungemütlich wurde es bislang nie.

Praktisches, Unpraktisches
Bis zu acht Personen sollen ihre Isomatten auf dem Boden ausbreiten können. Das haben wir an einem Kindergeburtstag sogar übertroffen, doch machen wir uns nichts vor: Die Jurte glänzt beim Glamping, nicht beim Camping. Zu viert ist nicht nur Platz für fürstliche Betten, sondern auch noch für Tisch, Stühle und Gäste. Die Vor- und Nachteile der Konstruktion sind offensichtlich.
Praktisch:
- es ist ein sehr grosser Raum
Unpraktisch:
- es ist ein sehr grosser Raum
Ein Vorzelt gibt es nicht, deshalb findet bei Regen das ganze Campingleben drinnen statt. Manchmal wünschte ich mir zumindest ein kleines Vordach, damit die Schuhe draussen bleiben können. So wandert alles nach drinnen, wo mir ein Malervlies als Schuhparkplatz dient. Um Stauraum zu schaffen und das schöne Raumgefühl nicht durch herumfliegende Sachen zu zerstören, kommt bei mir inzwischen so viel wie möglich unter diese Betten.
Am meisten vermisse ich ein paar Schlaufen, an denen ich Lampen, eine Lichterkette oder eine Jacke aufhängen könnte. So liesse sich auch ein Bereich abtrennen oder besser abdunkeln. Denn wenn um 5:30 Uhr die Sonne aufgeht, wird es hell in der Jurte. Und wenn es dunkel wird, muss ich mein Campinglicht auf den Tisch stellen. Mir bleiben als Alternative nur die Ösen der Reissverschlüsse, hinter denen die Luftkammern liegen. Daran kann ich ein Spanngummi einhängen und eine Lampe von der Decke baumeln lassen.


Damit habe ich mich arrangiert. Vielleicht gibt es keine Haken, um die Struktur nicht unnötig zu belasten. Vielleicht würde der Raum auch an Reiz verlieren, würde man ihn zerstückeln und zuhängen. Wer abgedunkelte Räume und verschiedene Schlafbereiche will, wird mit der Jurte nicht glücklich – oder schmeisst einfach noch ein Wurfzelt hinein. Platz ist genug da. Man kann ihn kreativ nutzen.
Mir hat der grosszügige Raum mit seinen aufrechten Wänden unter anderem schon als Kinderkino, Partyhöhle und Büro gedient. Ich würde nichts daran ändern. Ausser vielleicht doch ein oder zwei Haken anbringen …

Abbauen und einpacken
Für Zeltlager mit Jugendlichen würde ich die Aero Yurt nur bedingt empfehlen. Man muss nur ein Ventil öffnen, schon fällt sie in sich zusammen. Ohne Spassvögel in unmittelbarer Nähe ist das ebenso kein Problem wie der Abbau: Pfffffff! Fast fertig.

Nun muss das Zelt nur noch in seine Hülle zurück. Ein paar Mal falten, rollen, die restliche Luft rausdrücken (oder pumpen) und das unhandliche Etwas wieder in den Sack packen – das ist alleine zu schaffen, gelingt zu zweit aber besser. Alleine kommt man sich damit ohnehin etwas verloren vor. Die Aero Yurt ist ein geselliger Ort.
Fazit
Gutes Raumgefühl, sehr stabil – die Aero Yurt ist ein tolles Familienzelt
Die Aero Yurt von Robens ist ein Raumwunder. Sie bietet über sechzehn Quadratmeter Fläche und ist schon am Rand 1,85 Meter hoch. Unter der Kuppel sind es sogar 2,70 Meter, damit steht sie auf der Zeltwiese wie eine kleine Kathedrale. Trotzdem wirkt sie nirgends deplatziert, denn ihr Baumwoll-Mischgewebe sorgt nicht nur drinnen, sondern auch draussen für eine angenehme Atmosphäre.
Trotz ihrer Grösse kann ich sie alleine in wenigen Minuten auf- und abbauen. Mit der mitgelieferten Pumpe geht das spielend leicht. Doch ihr Packmass und Gewicht solltest du nicht unterschätzen: Vor dem Camping-Spass sind knapp 30 Kilogramm an Ort und Stelle zu wuchten.
Der Schweiss hat seinen Preis – du hast mit der Aero Yurt das schönste, grösste und vielleicht auch teuerste Zelt weit und breit. Darin können bis zu acht Personen eine gute Zeit haben. Sie sollten sich allerdings mögen, denn der grosse Vorteil der Jurte ist gleichzeitig ihr grosser Nachteil: Es ist ein sehr grosser Raum ohne Nischen und Verstecke.
Pro
- tolles Raumgefühl
- Baumwoll-Mischgewebe
- drei grosse Panoramafenster
- auch bei Wind sehr stabil
- aufpumpen und einziehen, Aufbau sehr einfach
- ein sehr grosser Raum
Contra
- keine Haken, kein Vorzelt
- ein sehr grosser Raum
Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
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