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Hintergrund

Man lernt nie aus: Darum macht Qwstion Taschen aus Bananenstauden

Laura Scholz
14-9-2026
Bilder: Laura Scholz

Seit Kurzem führen wir Qwstion im Sortiment. Anlass genug, mich mit Christian Kägi, Mitgründer des Schweizer Brands, zu treffen. Unsere Tour durch das Headquarter hat mich nachhaltig beeindruckt – denn hier wird wirklich an alles gedacht.

Es ist heiss als ich Christian Kägi im Juni im Qwstion Studio und Hauptsitz besuche. Nicht nur draussen, auch drinnen in den imposanten Räumlichkeiten der Zürcher SBB Werkstadt. Das alte Dachfenster – gleichzeitig das einzige Fenster – lässt sich gerade nicht öffnen, erklärt er mir. Noch bevor ich «Oha!» denken kann, habe ich den Schweiss schon vergessen, der mir auf der Stirn steht. Zu viel gibt es zu entdecken.

Büro, Lager und Fotostudio in einem.
Büro, Lager und Fotostudio in einem.
Von hier gehen alle Bestellungen raus.
Von hier gehen alle Bestellungen raus.
Auch die Reparaturen können vor Ort erledigt werden.
Auch die Reparaturen können vor Ort erledigt werden.

«Wir haben hier unser Büro, unser mobiles Fotostudio, in dem all unsere Produktfotos entstehen – und wirklich unser ganzes Lager. Alles, was bestellt wird, verschicken wir von hier», füttert Kägi meinen wandernden Blick. Er ist als einer der Gründer von Qwstion seit den Anfängen 2008 dabei. Was sie damals dazu bewegt hat, eigene Rucksäcke zu designen statt, wie alle anderen, die zu kaufen, die es bereits auf dem Markt gab, möchte ich wissen.

Ich hatte immer ein Interesse daran, wie Dinge hergestellt werden. Das ist etwas, wozu wir als Gesellschaft irgendwie den Bezug verloren haben.
Christian Kägi

«Wir wünschten uns eine Tasche, die sich nahtlos in den Alltag integrieren lässt und in verschiedenen Situationen gut funktioniert. Ausserdem teilten die meisten Modelle, die es zu kaufen gab, ein gemeinsames, fundamentales Problem: praktisch keine End-of-Life-Lösung. Heisst: Früher oder später werden sie zu Abfall. In der Schweiz verbrennen wir einen grossen Teil davon, im besten Fall produzieren wir noch Fernwärme daraus. In anderen Ländern geht er teilweise auf Halden, wo er zu Mikroplastik wird und die Umwelt verschmutzt. Wir wollten hinterfragen, wie wir Sachen entwerfen, wie wir sie herstellen und nutzen. Und wie wir damit umgehen, wenn sie irgendwann ihr Lebensende erreichen. Ich würde sagen, das ist der entscheidende Unterschied zwischen unseren und anderen Produkten.»

Wir bleiben vor einer beispielhaften, ausgestellten Wertstoffkette stehen. Vor mir liegt ein unter Erde verschütteter Rucksack: Er ist kompostierbar.

Bereits nach sechs Wochen im Kompost beginnt der Recycle-Prozess.
Bereits nach sechs Wochen im Kompost beginnt der Recycle-Prozess.

«Naturfasern haben ein unglaubliches Potenzial. Wir können sie nutzen und dann wieder zurück in den Kreislauf geben. Dieser biologische Vorgang funktioniert seit Jahrmillionen und passiert in einem natürlichen Ökosystem ständig. Nährstoffe und Ressourcen werden genutzt, kompostiert und schliesslich zur Grundlage, dass etwas Neues entstehen kann. Baumwolle ist die meistgenutzte Naturfaser im Textilbereich, aber auch sehr kurz. Zwar weich und komfortabel am Körper, für die Herstellung von robusten, langlebigen Geweben aber nicht gerade ideal. Eine Pflanze mit viel längeren Fasern, die reissfester sind, ist die Bananenstaude. Sie wächst ausserdem schnell. In einem Jahr bis auf drei, vier Meter Höhe. Dazu hat jede Staude mehrere Stängel, die ebenfalls ständig wachsen. Ein angenehmer Aspekt der Tropen, wo es keine Saisonalität gibt.»

Während wir an der exemplarischen Wertstoffkette weiterrücken, drängt sich mir die Frage auf: «Woher wusstet ihr denn das? Wie kommt man von der Designidee in Zürich zu den Bananenstauden auf den Philippinen?» Der Lernprozess sei lang gewesen, sagt Kägi. Angefangen hätten sie, ganz ohne Know-how, mit einem eigenen Bio-Baumwollgewebe. Über Leinen, Hanf, Bambus und Nesseln seien sie 2015 schliesslich auf die Abacá-Bananenfaser gestossen. «Und vor euch ist noch niemand darauf gekommen? Zumindest lokal werden die Fasern doch sicher genutzt worden sein?»

«Genau. In den Philippinen werden sie für einfachere textile Produkte genutzt. Und seit Jahrhunderten für Schiffstau, Fischernetze, teppichartige Textilien und Raumtrenner. Dann hat in den 1970er-Jahren die Papierindustrie angefangen, mit Bananenfasern zu arbeiten, weil sie so reissfest sind und sich auch im nassen Zustand nicht verändern. Die meisten Teebeutel, die wir heute noch aus Papier finden, sind aus Bananenfasern. Auch einige Banknoten wurden daraus hergestellt. Der Japanische Yen bis heute, soweit ich weiss.»

Von der rohen, getrockneten Abacá-Faser (rechts) zur gepressten Matte.
Von der rohen, getrockneten Abacá-Faser (rechts) zur gepressten Matte.
Aus der Matte wird das Garn hergestellt.
Aus der Matte wird das Garn hergestellt.

Ein Bast-ähnliches Knäuel, geripptes Papier, Garn. Ich versuche mir anhand der ausgestellten Verarbeitungsschritte den Produktionsablauf vorzustellen, muss aber doch um Erklärung bitten. «Das (Knäuel) sind die rohen Fasern. Die sind schon sehr fein, aber wenn du dir ihre Enden anschaust, siehst du, dass sich selbst diese Fasern noch in viel feinere Fädchen auftrennen lassen. Was sie zusammenhält, ist das Lignin. Das waschen wir, beziehungsweise unsere Partner in den Philippinen, raus und pressen die Fasern zu einer Art Matte oder dickem Papier. Und daraus entsteht dann unser Garn, zu 100 Prozent aus Bananenfasern.»

Die letzte Station der Wertstoffkette zeigt alle Einzelteile eines Qwstion-Rucksacks. Da wären ein Rückenpolster aus Wollfilz, der Ledergriff sowie der Reissverschluss und die eigens designten Schnallen aus Metall. Die nicht kompostierbaren Metallteile lassen sich am Ende des Produkt-Lebens ganz einfach abtrennen und können recycelt werden.

Ganz ohne Plastik und Kunststoff: Die wenigen Einzelteile lassen sich unkompliziert aus den Taschen heraustrennen.
Ganz ohne Plastik und Kunststoff: Die wenigen Einzelteile lassen sich unkompliziert aus den Taschen heraustrennen.

«Mit jeder Produktionsrunde optimieren wir die Details. Ähnlich wie man es aus der Möbelindustrie kennt. Wir verstehen uns auch nicht als klassischen Fashion Brand. Mode basiert auf Trend-Zyklen, ständig erscheinen neue Kollektionen. Das ist bei uns kein Thema, uns ist eher Kontinuität wichtig.»

Wir haben in den letzten 18 Jahren gelernt, wie wir Taschen konstruieren und herstellen müssen, damit sie an ihrem Lebensende wieder in komplette Kreisläufe zurückfinden.
Christian Kägi

Ob sich trotzdem Tendenzen festmachen lassen, möchte ich wissen. Beispielsweise bei der Farb-Vorliebe der Kundschaft. «Die Leute kaufen zu 70 Prozent Schwarz. Grau ist auch beliebt. Das Off-White, das auf natürliche Weise während des Produktionsprozesses entsteht, finden wir selber zwar am spannendsten. Aber eine weisse Tasche ist vielen leider zu heikel.» Für mein Geständnis, dass ich mich wohl auch für ein schwarzes Modell entscheiden würde, kassiere ich ein nachsichtiges «Fair enough.»

Dann möchte ich von Christian Kägi noch wissen, wie sich die Qwstion-Taschen und -Rucksäcke denn nun besser in den Alltag integrieren lassen als andere. Als hätte er auf diese Frage gewartet, nimmt er einen Rucksack von der Wand. «Flexibilität ist ein grosser Faktor. Diese Tasche kannst du als Rucksack tragen, sagen wir, wenn du mit dem Velo unterwegs bist. Du kannst die Schulterriemen aber auch ohne Aufwand abnehmen und einen an der Längsseite befestigen. So bekommt die Tasche eher einen Business-Look. Verwendest du nur die kurzen Trageriemen oben, hast du quasi eine Tote Bag. Wir haben die Schnallen und Verschlüsse selbst designt, um dieses einfache System zu ermöglichen. Ausserdem kannst du die Tasche auf verschiedene Arten öffnen, um immer gut an ihren Inhalt zu gelangen. Über den typischen Eingriff von oben, den Reissverschluss an der Seite oder das komplette entzippen des Reissverschlusses rundherum.» Das ist tatsächlich flexibel, ich bin überzeugt.

Produktbild Qwstion Bananatex® Tote Bag Medium – Black / Black - Black (15 l)
Tasche

Qwstion Bananatex® Tote Bag Medium – Black / Black - Black

15 l

Produktbild Qwstion Weekender – Organic Washed Grey - Organic Washed Grey (29 l)
Tasche

Qwstion Weekender – Organic Washed Grey - Organic Washed Grey

29 l

Produktbild Qwstion Roll Pack – Natural White (25 l)
Rucksack

Qwstion Roll Pack – Natural White

25 l

Qwstion Bananatex® Tote Bag Medium – Black / Black - Black (15 l)

Qwstion Bananatex® Tote Bag Medium – Black / Black - Black

15 l

Qwstion Weekender – Organic Washed Grey - Organic Washed Grey (29 l)

Qwstion Weekender – Organic Washed Grey - Organic Washed Grey

29 l

Qwstion Roll Pack – Natural White (25 l)

Qwstion Roll Pack – Natural White

25 l

Du noch immer nicht? Vielleicht holt dich ab, dass bei Qwstion aus dem wenigen Materialausschuss, der in der Produktion entsteht, Schlüsselbänder gefertigt werden. Oder, dass du gebrauchte, sogenannte Second-Cycle-Modelle sogar mieten kannst. Dass du deine Tasche zur Reparatur einschicken kannst, oder einen Return Reward – nämlich 10 Prozent auf den nächsten Kauf – erhältst, solltest du eine alte Tasche zurückgeben.

Aus dem Verschnitt entstehen Schlüsselbänder.
Aus dem Verschnitt entstehen Schlüsselbänder.
Geht doch mal was kaputt, kann es meistens repariert werden.
Geht doch mal was kaputt, kann es meistens repariert werden.

Ich bedanke mich mit einem verbalen Hut ab: Zwar kannte ich Qwstion schon durch ihren Zürcher Store und auch Bananatex war mir grob ein Begriff. Wie viel Research, Arbeit und Liebe zum Detail (und der Umwelt) in den Taschen steckt, war mir allerdings nicht im Ansatz bewusst. Aus meinem Besuch in der SBB Werkstadt nehme ich eine ganze neue Wertschätzung für die Produkte mit. «Das freut mich», sagt Kägi. «Es wird immer schwieriger, die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen. Klar musst du dich in erster Linie vom Design angesprochen fühlen. Aber so gut wie niemand überlegt sich, wo so eine Tasche irgendwann mal landet. Und das ist auch verständlich, wir lernen es heute einfach nicht, weder im Schulunterricht noch an der Uni. Ich hoffe, wir können mit Qwstion etwas von diesem Wissen vermitteln.»

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Immer zu haben für gute Hits, noch bessere Trips und klirrende Drinks.


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