

Meine Vögel bestimmen – ich bin nur das Catering
Rio. Cookie. Pebbles. Finni. Anfangs dachte ich: niedliche Nymphensittiche. Ich war so naiv. Erkenntnisse aus knapp zwei Jahren mit den kleinen Kakadus.
Ich lebe mit vier Wesen zusammen, die zwar aussehen wie harmlose Flauschbälle – organisatorisch aber Kita, Flughafen, Krisengebiet und Wohngemeinschaft sind.
Du kaufst keine Vögel – du trittst einem Schwarm bei
Ich hielt mich anfangs für die Besitzerin. Inzwischen weiß ich: Ich wurde in die Sittich-Gemeinschaft aufgenommen. Mit eingeschränktem Stimmrecht. Beispiel: Der Schwarm entscheidet, wann aufgestanden wird und wie die Welt das erfährt.
Morgens um 6.58 Uhr ruft Finni den Krähen in der Nachbarschaft ein lautstarkes «Meeep» zu. Dann fängt auch ein anderer Nymphensittich an zu singen. Der Schwarm betreibt Außenpolitik. Der Lärmpegel liegt bei knapp 100 Dezibel, habe ich mal gemessen. Ich gehe duschen und akzeptiere die diplomatische Lage.

Du bist plötzlich Assistentin einer Sittich-WG
Neben meinem Job bei Galaxus organisiere ich nun ein mittelständisches Unternehmen mit Flügeln.
Ich bin zuständig für Catering, Reinigung, Gesundheitsmanagement, Konfliktlösung, Infrastruktur und Krisenkommunikation. Ich überwache Lieferketten («Wo bleibt das Paket mit der Hirse?»), treffe Budgetentscheidungen («Dieses Spielzeug ist zu teuer») und führe tägliche Verhandlungen mit einer flauschigen Belegschaft, die meine Autorität nur sehr eingeschränkt anerkennt.
Gleichzeitig launcht der Schwarm regelmäßig Projekte, die er nicht mit mir abgestimmt hat. Zum Beispiel Pflanzenvernichtung, Bouldern an den Gardinen oder spontane «Wir wollen nicht ins Bett»-Streiks.
Deine Garderobe ist sicherheitsrelevant
Niemand hat mich darauf vorbereitet, dass Rio, Cookie, Pebbles und Finni meine Kleidung bewerten würden. Streifen? Verdächtig. Karierte Hose? Hochriskant. Schwarzer Mantel? Ein Gespenst, Panikflug! Knalliges T-Shirt? Pebbles blickt mich an wie: «Dein Ernst?»

Ich teile meinen Kleiderschrank inzwischen gedanklich in zwei Bereiche: Klamotten für draußen und Klamotten, die von der Flausch-WG akzeptiert werden.

Besuch ist überfordert
Kürzlich hat eine Freundin bei mir übernachtet. Morgens schaute sie leicht irritiert in Richtung Voliere und sagte: «Na, jetzt werden die Vögel aber laut.» Ich schaute kurz auf und sagte: «Das ist ungefähr ein Drittel von dem, was geht.»
Sie sah mich an.
Dann die Vögel. 👀
Dann wieder mich.
Ich glaube, in diesem Moment wurde ihr klar, dass «ein bisschen Gezwitscher» und «mit Nymphensittichen leben» zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Meine Freundin hat übrigens zwei Katzen im Rentenalter.
Die absurdesten Dinge werden völlig normal
«Warum ist eine Feder in meinem Kaffee?» Früher hätte ich bei solchen Sätzen gedacht, jemand macht Witze. Heute fische ich die Feder aus meinem Kaffee, trinke weiter und denke: «Ach ja, Dienstag.»
Weitere Sätze, die außerhalb meiner Wohnung null Sinn ergeben: «Cookie, hör bitte auf, das Stoffschaf zu essen.» Oder: «Rio, warum reibst du dein Hinterteil an einem Knoten?» (Wir alle können uns denken, wieso.)

Kürzlich fragte mich jemand: «Brauchen die Tiere eigentlich viel Aufmerksamkeit?» Ich überlegte kurz. «Brauchen?», sagte ich schließlich. «Sie nehmen sie sich einfach.»
Und trotzdem: Ich möchte keinen Moment mit den vier kleinen Spinnern missen. Finni begrüßt mich mit einem Liedchen. Rio freut sich über Knabberspielzeug wie ein Zweijähriger. Und als Cookie kürzlich grumpy war, legte Pebbles ihren Flügel um ihn – als ob sie sagen würde: «Komm her, du kleiner Grummelvogel. Ich hab dich lieb.»
Ich habe euch auch lieb, Nymphies.
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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