

Andri Ragettli: Mit Disziplin und Spass am Sport zum Erfolg
Andri Ragettli ist einer der erfolgreichsten Freeskier der Welt. Der 28-Jährige ist schon lange auf Top-Niveau im Actionsport unterwegs. Im Interview verrät er mir, welche Bedeutung Disziplin, Spass und Erholung dabei haben.
Andri Ragettli ist Schweizer Freeski-Profi in den Disziplinen Slopestyle und Big Air. Der Bündner hat mehrfach den Gesamtweltcup gewonnen und gilt als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Freeskier der Welt. Im Frühjahr 2017 gelang ihm zudem der weltweit erste Quad-Cork 1800, der Vierfachsalto. Bei den Olympischen Spielen in Milano Cortina im Februar wurde er Vierter in der Disziplin Slopestyle.
Ich treffe Andri anlässlich der Eröffnung des Garmin Stores in Zürich. Der Sportler ist Botschafter der Sportuhren-Marke.
Andri, du hast schon sehr viel erreicht und gibst trotzdem weiterhin Vollgas. Was sind deine Ziele?
Ziele sind für mich etwas sehr Persönliches. Ich teile sie, wenn es sich richtig anfühlt, aber ich möchte nicht jeden Schritt ankündigen. Grundsätzlich will ich bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen in den französischen Alpen 2030 aktiv Freestyle fahren. Das wäre auf jeden Fall mein Ziel, auch wenn sich in diesem Sport jederzeit schnell etwas verändern kann.

Quelle: Siri Schubert
Du bist im Freestylen schon sehr lange auf sehr hohem Level dabei. Wie schaffst du es, solange auf Topniveau zu bleiben?
Wichtig ist für mich, einen gesunden Lebensstil zu haben, also gesund zu essen, viel zu schlafen und bewusst zu leben.
Du bist Vegetarier, richtig?
Ja, genau.
Was ist sonst noch wichtig?
Ganz wesentlich sind Disziplin und harte Arbeit. Ich denke, dass mein Erfolg der letzten zwölf Jahre auch daher kommt, dass ich immer bereit bin, hart zu arbeiten, auch wenn ich mal keine Lust darauf habe.

Quelle: Gian Ragettli
Sport ist ja dein Job. Denkst du überhaupt darüber nach, ob du Lust darauf hast?
Ja, ganz klar. Denn die Freude am Skifahren ist trotzdem noch etwas vom Wichtigsten. Wenn du einfach etwas machst aus purer Disziplin und es null Spass macht, dann bin ich der erste, der sagt: «Da stimmt etwas nicht». Wahrscheinlich ist es genau das, was meine Langlebigkeit im Sport ausmacht: die Kombination von Spass und Disziplin.
Was heisst für dich Spass beim Freeski fahren?
Am Anfang war es das Gefühl in der Luft zu sein, das ist pure Freiheit. Das habe ich als kleiner Junge schon so empfunden. Später kam dann noch die Freiheit dazu, mich durch den Sport auszudrücken und mein eigener Chef zu sein. Ich bin zwar extrem diszipliniert, aber sobald mir jemand sagt: «Du musst das so machen», denke ich gleich: «Nein, muss ich nicht.»
Du bist schon so erfahren und so lange top in deiner Disziplin, gibt es denn überhaupt noch Menschen, die dich weiterbringen können?
Ja, es gibt immer Coaches, die neue Inputs bringen, zum Beispiel beim Kraft- oder Athletiktraining. Das ist auf jeden Fall hilfreich. Und beim Mentaltraining kann ich auch sehr viel lernen. Hier sehe ich noch grosses Potential.
Was machst du konkret? Sind das Visualisierungen, Atemübungen …?
Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Visualisierungen sind natürlich gerade beim Freeskiing extrem wichtig, weil ich so die Tricks und die einzelnen Bewegungen im Kopf immer wieder durchgehen kann. Dann auch Atemübungen, um besser zu entspannen. Und dann geht es sehr viel ums Mindset: Wie schaue ich Dinge an, wie beurteile ich sie. Auch wenn ich ein Selbsthilfebuch lese, geht das für mich in Richtung mentales Training. Ich will dadurch ja weiterkommen und Neues lernen.
Dass du dich immer neuen Herausforderungen stellst, sieht man auch in deinen Balance-Parcours-Videos. Sind sie auch Teil deines Trainings?
Als ich in der Sportschule war, waren solche Parcours oft Teil meines Trainings. Während Covid habe ich wieder damit angefangen, aber es war auch ein bisschen Show. Ich wollte etwas machen, das noch ein bisschen schwieriger ist und noch ein bisschen cooler aussieht. Aber beim Freestylen hilft es natürlich sehr, weil Balance und Koordination extrem wichtig sind. Jetzt habe ich schon länger kein Video mehr gemacht. Ich glaube, es wird mal wieder Zeit.
Ich bin gespannt. Du bist als Athlet im Garmin-Team. Ich assoziiere Garmin-Uhren allerdings eher mit Ausdauersport.
So hat es auch begonnen. Ich habe meine erste Garmin-Uhr während der Pandemie gekauft. Damals waren ja alle Gyms geschlossen. Ich bin in der Zeit viel joggen gegangen und habe eine Herausforderung gesucht. Also beschloss ich, 100 Kilometer zu laufen. Um zu wissen, wann die 100 Kilometer vorbei sind, brauchte ich eine Uhr mit GPS. Also habe ich eine Garmin gekauft. Wenig später kam dann die Partnerschaft mit Garmin zustande.
Hast du die 100 Kilometer geschafft?
Ja, aber es war eher eine mentale Challenge. Zu oft darf ich das allerdings nicht machen, sonst leidet die Explosivkraft, die ich fürs Freestylen brauche.
Wofür nutzt du die Uhr? Welche Daten sind dir wichtig?
Ich habe die Garmin Fenix 8 und seit heute die Fenix 9. Viele Daten, zum Beispiel VO2max, sind auch beim Actionsport wichtig. Aber du gewinnst nicht, weil du einen höheren VO2max-Wert hast. Für mich ist die Erholung entscheidend. Und da schaue ich auf die Schlafdaten und die Herzfrequenzvariabilität. Letzte Nacht war mein Schlaf nicht so gut und dauerte nur knapp acht Stunden.
Wie viele Stunden schläfst du pro Nacht?
Neun sollten es schon sein. Schlaf ist mir sehr wichtig, um mich vom Training zu erholen und dann wieder fit für die nächste Belastung zu sein.
Auf welche Daten schaust du sonst noch?
Auf die Kalorien. Ich vergesse manchmal, genug zu essen und wenn ich auf der Uhr sehe, wow, ich habe schon 4000 bis 5000 Kalorien verbrannt, dann muss ich schon noch einen Proteinshake zusätzlich nehmen.
Es gibt ja eine ganze Menge Dinge, die Uhren noch nicht messen können, zum Beispiel muskuläre Ermüdung oder explosive Kraft. Wie misst du sie und wie führst du die Daten zusammen?
Ich mache in regelmässigen Abständen Krafttests und dann erfahre ich, ob ich auf dem richtigen Level bin oder noch nicht. Zum Beispiel, ob ich explosiver werden muss. Die Daten gebe ich dann meinem Coach und der passt das Training entsprechend an.

Quelle: Gian Ragettli
In der Trainingssteuerung spielt KI eine immer grössere Rolle. Wie siehst du die Entwicklung? Freust du dich oder denkst du, da geht die Kreativität und Individualität ein Stück weit verloren?
Für den Schnee und die Tricks gibt es jetzt noch wenig sinnvolle KI-Anwendungen, aber ich denke, das wird kommen. Grundsätzlich sehe ich das positiv und bin neuen Entwicklungen gegenüber offen. Wenn du dich dagegen stemmst, machst du dir das Leben schwer. Offen zu sein macht sicher auch einen Teil der Langlebigkeit im Sport aus.
Jetzt bin ich persönlich noch neugierig: Was sind deine Lieblingstricks? Die du immer wieder machst und die dir mega Spass machen?
Einer, der mir immer wieder Spass macht, ist der Superman Frontflip. Besonders stolz bin ich auf den Quad-Cork, den Vierfachsalto, weil ich weltweit der erste war, der ihn gemacht hat.
Wenn du nicht auf den Ski stehst, welche Sportarten machst du dann?
Im Sommer gehe ich Surfen. Und ich spiele sehr gerne Tennis und Golf. Mountainbiken mache ich auch sehr gern. Neuerdings habe ich Speed-Hiking in meiner Heimat Flims entdeckt, wo ich regelmässig auf Steinböcke treffe. Mir machen so ziemlich alle Sportarten Spass.
Das überrascht mich nicht. Vielen Dank, Andri, für die Einblicke in dein Training und alles Gute für die kommende Saison.
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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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