
Kowa BD III 10×42 XD im Test: Weitwinkel wirkt
Bei der dritten Generation des Fernglases hat Kowa an Details gearbeitet. Das Kowa BD III 10×42 XD ist kompakter, leichter und trumpft mit einem wunderbar weiten Sichtfeld auf. Ein paar kleine Schönheitsfehler habe ich trotzdem gefunden.
Das Kowa BD III 10×42 XD in einem Wort? Eintauchen! Dafür ist es gemacht. Ab einem scheinbaren Sehfeld von mehr als 60° gelten Ferngläser als Weitwinkelmodelle. Das Kowa kommt auf rund 64°. Oder, bildlicher gesagt: Aus 1000 Metern Entfernung überblicke ich damit 126 Meter. Das ist ein grosser Bereich und verändert das Gefühl beim Beobachten.
Zuletzt war ich mit dem Nikon Monarch M5 10×50 unterwegs. In einer ähnlichen Preisklasse um die 500 Franken, aber mit anderen Vorzügen: Die lichtstarke Optik war wie gemacht für die Dämmerung und den Sternenhimmel. Das Kowa BD III 10×42 XD soll eher am Tag überzeugen. Mit dem Weitwinkel kann ich Objekte einfacher finden, im Blick behalten und eben: ins Bild eintauchen.

Spezifikationen und Lieferumfang
Kowa stammt, wie Nikon, aus Japan und entwickelt seit bald 80 Jahren Ferngläser. Beide Hersteller setzen auf eine leichte Bauweise: Mit nur 610 Gramm ist das BD III 10×42 XD dank des Magnesiumgehäuses noch einmal 35 Gramm leichter als sein Vorgänger und ganze 70 Gramm leichter als der direkte Konkurrent Nikon Monarch M7 10×42. Prädikat: Fliegengewicht.
Filigran wirkt es trotzdem nicht. Das rundum gummierte Fernglas ist griffig und handlich: Mit 137×129×51 Millimetern gehört es zu den Kompaktesten seiner Klasse und ist, verglichen mit dem Vorgänger, noch einmal minimal geschrumpft.

Die inneren Werte sind nicht neu. Kowa setzt auf Spezialgläser mit geringer Streuung, um Farbsäume zu minimieren. Was bei anderen Marken ED-Glas heisst und für «Extra-low Dispersion» steht, heisst bei Kowa XD und steht für «eXtra-low Dispersion». Ein Eigenname, der verdeutlicht, dass hier hochwertiges ED-Glas verbaut ist. Ein besonders hoher Fluoridkristall-Anteil verspricht exzellente Farbtreue und hohe Lichttransmission.
Das Fernglas ist wasserdicht und stickstoffgefüllt, um ein Beschlagen von innen zu verhindern. Das ist ein Thema, wenn du zum Beispiel im Winter in die Masoala-Halle gehst oder anderswo grosse Unterschiede bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit hast. Eine schmutz- und wasserabweisende Vergütung auf den Linsenflächen soll diese pflegeleicht machen. Damit du möglichst selten putzen musst, sind Okulare und Objektive mit Kunststoffkappen geschützt. Sie halten in den meisten Fällen gut. Nur wenn ich das Fernglas aus seiner Tasche ziehe, streife ich oft versehentlich einen Objektivdeckel ab.

Jetzt wird es kurz subjektiv, weil es um den äusseren Eindruck geht: Optisch wäre das dunkelgrüne Kowa BD III 10×42 XD nicht meine erste Wahl. Es hat gegenüber dem Vorgängermodell sogar Style-Punkte verloren, weil dieses noch ein silbernes Fokussierrad aus Aluminium hat, was für mich wertiger aussieht. Neu ist es schwarz gummiert und breit geriffelt – dafür soll es präziser zu bedienen sein, nicht durchrutschen und sich auch mit Handschuhen besser justieren lassen.

Kowa hat vor allem an funktionellen Details wie diesem nachgebessert. Das aktuelle Modell ist griffiger und hat, neben neuen Silikon-Augenmuscheln, auch eine andere Tasche und einen besseren Trageriemen verpasst bekommen. Das war mir beim Start des Testes gar nicht bewusst, Tasche und Riemen sind aber direkt positiv aufgefallen. Beides wirkt hochwertiger, als ich es zuletzt von Nikon in der Hand hatte.
Kaum bin ich mit dem Kowa BD III 10×42 XD um den Hals unterwegs, muss ich den Eindruck in einem Punkt aber wieder revidieren: Der Trageriemen ist am Hals zwar angenehm gepolstert, wird aber nicht seitlich, sondern recht weit hinten am Fernglas angebracht. Dadurch baumelt dieses leicht gekippt vor dem Körper.

Das Problem erledigt sich, sobald es wieder in der Tasche steckt. Trotzdem: Dieses Detail stört mich, ich finde die andere Variante besser. Perfekt hängt der Riemen nur, wenn ich mir das Fernglas vor die Augen halte. Das ist der kleinere Teil der Zeit – aber der entscheidende.
Die Optik macht das wieder wett
Weitwinkel weiss ich immer dann zu schätzen, wenn ich vorher etwas Sichtfeld vermisst habe. Das des Kowa BD III 10×42 XD ist wirklich klasse und nicht nur weit, sondern auch kontrastreich. Die Farben wirken etwas wärmer als beim Nikon Monarch M5.
Das Bild ist scharf und störende Farbsäume kann ich auch in schwierigen Lichtsituationen kaum ausmachen. Das XD-Glas macht bei Kowa einen guten Job. Zum Rand hin nimmt die Schärfe dann etwas ab, ohne durch Verzerrungen zu irritieren. Es ist der Kompromiss, den ich für das grosse Sichtfeld gerne eingehe. Dieses hilft, bewegliche Objekte zu verfolgen, es sorgt für Panorama- statt Tunnelblick und mein Fokus liegt für gewöhnlich auf der Bildmitte.
Für die Preisklasse ist die Abbildungsleistung sehr gut. Du kannst sie auf dem folgenden Foto zumindest erahnen. Da ich es aus der Hand mit dem Smartphone durchs Okular aufgenommen habe, ist es nicht repräsentativ. Mir geht es um den Unterschied, was das Sichtfeld und die Farbtemperatur angeht: links das kühler und enger wirkende Nikon Monarch M5 10×50, das seine Stärken dank der grösseren Objektivöffnung in der Dämmerung und am Nachthimmel hat. Rechts das weitwinkelige Kowa BD III 10×42 XD, dessen Sichtfeld ich mit der Kamera gar nicht ganz erfassen kann.

Da ein Fernglas nicht nur für weit entfernte Objekte gedacht ist, lohnt sich ein Blick auf die Naheinstellgrenze des Kowa: Sie liegt bei nur 1,8 Metern und ist nützlich, um zum Beispiel Schmetterlinge oder Insekten aus kurzer Distanz zu beobachten.
Das überarbeitete Fokussierrad kann ich präzise bedienen. Es läuft mit angemessenem Widerstand und wechselt schnell ins Unendliche. Ich habe keine Probleme, die Schärfe bei beweglichen Objekten mitzuführen. Das Rad ist griffig und mit grossen Rillen versehen. Generell liegt das Kowa BD III 10×42 XD gut in der Hand und rutscht nicht, dafür bleibt auch Staub gerne am Gehäuse haften.
Bester Blick als Brillenträger
Die Augenmuscheln haben beim Herausdrehen drei Stopps und rasten satt ein. Ohne Brille habe ich beim zweiten die für mich perfekte Position. Der Dioptrienausgleich am rechten Okular ist stufenlos verstellbar, für mich aber gar nicht wichtig: Zum einen, weil ich auf beiden Augen die gleiche Sehschärfe habe. Zum anderen, weil ich noch kein Fernglas in der Hand hatte, durch das ich so gerne mit Brille geschaut habe. Dabei liegt das Kowa BD III 10×42 XD mit einem Augenabstand von 16,5 mm knapp unter dem «Goldstandard» von 17 mm, ab dem Ferngläser mit Sehhilfe auf der Nase als optimal geeignet gelten.
Was auf dem Papier gut, aber nicht perfekt ist, funktioniert für mich einwandfrei – bei der ersten Rastung kann ich auch mit meiner Brille angenehm beobachten. Die Kombination aus Augenmuscheln, Sichtfeld, Abstand, Brille und meiner Physiognomie passt einfach.

Das Kowa liegt mit zehnfacher Vergrösserung zwar noch in einem Bereich, der mit der Hand beherrschbar ist und durch die kompakte Bauweise lässt es sich auch längere Zeit stabil halten. Aber die perfekte Bildruhe bekomme ich nur mit einem Stativ. Dafür hat es ein entsprechendes Gewinde, das sich unter einer Abdeckung versteckt. Dort und an anderen Stellen ist bei genauerem Hinsehen nicht alles ganz perfekt: Ich finde unschöne Klebespuren und die Spaltmasse an der Gehäusegummierung sind nicht überall gleichmässig.

Das ist Jammern auf hohem Niveau und schmälert die starke optische Leistung nicht; Vergleichbares ist mir bei Konkurrent Nikon aber nicht aufgefallen.
Made in Japan? Nicht ganz …
Weil Kowa für «Made in Japan» steht und das beim Vorgängermodell in Rezensionen erwähnt wird: Es stimmt in diesem Fall nicht. Kowa fertigt nur seine High-End-Modelle komplett in Japan. Für die Baureihe BD III 10×42 XD gilt das nicht. Zwar ist sie in Japan entwickelt und designed, aber günstiger in China produziert.

Nur deshalb bekommst du so ein gutes Glas für vergleichsweise wenig Geld. Das ist der Vorteil der gehobenen Mittelklasse, in der wir uns hier befinden: Du kaufst eine starke Optik, ohne Unsummen für die letzten fünf Prozent zu bezahlen.
Fazit
Viel Panorama, verbesserte Details und kaum Schwächen
Kowa hat ein sehr gutes Fernglas überarbeitet und sich dabei vor allem die Handhabung vorgenommen: Vom Fokussierrad über die Gummiarmierung bis hin zu den Objektivdeckeln sind es kleine Details, die es im Alltag noch ein bisschen angenehmer machen. Dazu gibt es einen gut gepolsterten Trageriemen und eine ebenso brauchbare Tasche.
Kaufentscheidender sind die sehr guten inneren Werte. Das XD-Glas und die Weitwinkeloptik sorgen für ein Panoramagefühl und ein scharfes, kontrastreiches Bild mit natürlichen Farben. Die Qualität nimmt bauartbedingt zum Rand hin etwas ab, ist für die Preisklasse aber auf hohem Niveau. Schönheitsfehler finde ich allenfalls in winzigen Verarbeitungsmängeln. Da schon das ähnlich teure Vorgängermodell viele Fans hatte und nun einiges optimiert wurde, hat es sich trotzdem fünf Sterne verdient.
Pro
- sehr grosses Sichtfeld
- scharf, kontrastreich, lebendige Farben
- leicht, griffig und kompakt
- Naheinstellgrenze 1,8 Meter
Contra
- kleine Unsauberkeiten bei der Verarbeitung
Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
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