
Geringes Gewicht, viel Platz: Das bietet das Sarvis-VST-2-Zelt von Big Agnes
Leicht oder komfortabel? Das ist die ewige Frage bei Outdoor-Ausrüstung. Mit dem Sarvis-Zelt gelingt dem Hersteller Big Agnes beides.
Mein erster Eindruck: Extrem leicht für ein 2-Personen-Zelt. Das Sarvis VST 2 von Big Agnes wiegt nur 1,06 Kilo. Wie sich das Zelt in der Praxis macht? Ich bin gespannt.
Packmass und Aufbau
Das Zelt inklusive Gestänge und Heringe passt locker in die Seitentasche meines Rucksacks. Das ist schon mal ein grosses Plus.

Der Aufbau ist viel leichter als gedacht: Das Zelt auf dem Boden ausbreiten, die beiden Eingänge (ja, es hat zwei) ausrichten und die drei Stangen zusammenstecken. Statt sie mühsam durch Stoffschläuche zu friemeln, wie es bei anderen Zelten üblich ist, musst du sie lediglich durch das Belüftungsviereck am Zeltdach schieben. Und dann mit den Schlaufen am Zeltboden fixieren. Als Nächstes kannst du die Stangen einfach in die Häkchen einclipsen und schon steht das Zelt.


Zum Befestigen am Boden nimmst du die Heringe, die leicht und robust zugleich sind. Mir gefällt das leuchtende Orange, da sie dadurch nicht so schnell verloren gehen. Zehn Heringe sind im Lieferumfang enthalten. Um das Zelt an allen Abspannpunkten zu fixieren, brauchst du aber zwölf. Da es während meines Tests fast windstill ist, reichen die zehn, damit das Zelt sicher steht. Ob die fehlenden Heringe ein Versehen sind oder der Hersteller ausgerechnet an dieser Stelle spart, ist mir ein Rätsel.

Innerhalb weniger Minuten steht das Zelt. Ohne Anleitung, Fehlversuche oder sonst etwas. Was mich begeistert: Innenzelt und Aussenzelt werden in einem Rutsch aufgebaut.
Von anderen Zelten bin ich es gewohnt, dass zuerst das Innenzelt steht und das Aussenzelt dann abgespannt wird. In der Praxis heisst das: Wenn es regnet, wird das Zelt schon während des Aufbaus feucht. Mit dem Aussenzelt schliesst du die Nässe dann ein. Bei diesem Zelt kann das nicht passieren.

Luftig leicht mit viel Platz
Das Zelt hat einen ganz besonderen Grundriss. Der Innenraum mit einer Breite von 132 Zentimetern bietet ausreichend Platz für zwei Isomatten nebeneinander. Die Länge von 225 Zentimetern ist für die meisten ebenfalls mehr als ausreichend.
Und bei der Höhe gerate ich erst recht ins Schwärmen. Ich habe häufig in Tunnelzelten oder unter mit Wanderstöcken gespannten Tarps geschlafen. Jedesmal erforderte das Rein- und Rauskrabbeln fast zirkusreife Beweglichkeit. Und im Zelt umziehen? Vergiss es! Beim Sarvis VST 2 ist das anders: Mit einem Meter Höhe kann ich bequem sitzen, mich umziehen und habe auch sonst das Gefühl luftiger Geräumigkeit.

Apropos luftig: Die Belüftung ist sensationell. Das Zeltdach besteht aus einem grossen Mesh-Fenster. Die beiden Seiten sind ebenfalls aus Mesh und fungieren gleichzeitig als Mückenschutz.

Spannend sind die beiden Eingänge. Ich war allein unterwegs, aber wenn du mit Partnerin oder Partner reist, können beide unabhängig voneinander das Zelt betreten und verlassen. Das ist enorm praktisch, vor allem, wenn sich nachts die Blase meldet.
Und noch einen Vorteil haben die zwei Zugänge: Jeder hat ein eigenes Mini-Vorzelt. So kannst du deinen Rucksack, deine Schuhe und alles, was du sonst brauchst, in Griffnähe verstauen.


Drei Nächte im Zelt
Ich habe das Zelt vom Hersteller zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen und gönne mir den Luxus, alleine in einem Zwei-Personen-Zelt zu schlafen. Denn da das Zelt kaum ins Gewicht fällt, nehme ich gerne die komfortablere Variante mit Extra-Platz.
Das Sarvis VST 2 ist nicht das leichteste aus der VST-Serie von Big Agnes. Mit nur 720 Gramm liegt das Big Agnes Pitchpine VST 1.5 noch darunter. Ich war aber besonders gespannt auf die Kombi aus Komfort und Leichtigkeit, die das geräumigere Sarvis bietet.
Während der drei Tage ist das Wetter tagsüber mit 22 bis 25 Grad angenehm warm. In den klaren, windstillen Nächten auf rund 1000 m ü. M. kühlt es auf acht bis zehn Grad ab. Die Folge: starke Taubildung. Davon bleibt auch das Zelt nicht verschont. Die Plane ist am Morgen mit winzigen Wasserperlen übersät. Im Inneren bleibe ich aber trocken. Das liegt zum einen an der guten Belüftung, zum anderen an der cleveren Zeltkonstruktion. Dank der Seitenwände aus Mesh komme ich nicht mit der nassen Aussenwand in Kontakt. Das ist ein Vorteil, denn beim Berühren des Aussenzeltes wird die Oberflächenspannung gebrochen und Nässe kann eindringen. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall.
Da ich das Zelt auf beiden Seiten öffnen kann, ist es am Morgen schnell durchgelüftet. Dank des grosszügigen Mesh-Panels am Zeltdach wird der Innenraum im Lauf des Tages nicht stickig, wenn die Temperaturen steigen.

Das Aussenzelt besteht aus Polyestergewebe, statt aus dem sonst üblichen Nylon. Dadurch soll es formstabiler sein und sich bei Temperaturunterschieden weniger verformen. Mein Test bestätigt das: Einmal aufgestellt steht das Zelt sicher. Ein Nachspannen ist nicht nötig.
Das Zelt ist auf drei Jahreszeiten ausgelegt. Für eisige Winter ist es nicht gemacht. Doch von Frühjahr bis Herbst bietet es ausreichend Schutz bei guter Durchlüftung. Mir scheint der Zeltboden aus 15D Nylon Ripstop zwar auf den ersten Blick etwas dünn, weil ich das Gras durch ihn hindurch sehen kann. Aber während der drei Tage hält er dicht.
Da es abends früh dunkel wird, verkrieche ich mich schon gegen acht Uhr ins Zelt, um ein paar Seiten zu lesen, ein Hörbuch zu hören, Tagebuch zu schreiben und den Tag ausklingen zu lassen. Und fühle mich richtig wohl in meinem temporären Zuhause.

Nützliche Details
Obwohl das Zelt kaum etwas wiegt, verfügt es über einige richtig clevere Features, die über das Notwendige hinausgehen. Etwa den Extra-Clip, um die Zelttüre an der Stange zu befestigen. Oder die Mesh-Taschen an den Ecken für Stirnlampe, Taschenmesser und Co. Oder die Schlaufen, um die Innenbeleuchtung aufzuhängen.

An diesen Details merke ich, dass das Zelt von Leuten entwickelt wurde, die selbst viel draussen unterwegs sind. Denn alles ist gut durchdacht und schafft den Spagat zwischen geringem Gewicht und Komfort. Das Zelt gibt es übrigens auch in einer Drei-Personen-Variante.
Fazit
Ein leichtes, komfortables Zelt für Trekking- und Biketouren
Pro
- geringes Gewicht
- einfacher, zeitgleicher Aufbau von Innen- und Aussenzelt
- Raumaufteilung mit viel Platz
- zwei Eingänge mit Mini-Vorzelt
- gute Belüftung
- durchdachte Details
Contra
- zu wenig Heringe
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
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